Geschichte des Instituts Teil VI: Aus HIfL wird ISS - 1300 Studierende am Insitut

1976: Umbenennung in Institut für Sport- und Sportwissenschaften (ISS)

Das HIfL wird 1976 in Institut für Sport und Sportwissenschaften (ISS) umbenannt. Das ISS ist nunmehr für die Sportlehrerausbildung der PH-Kiel und der CAU zuständig. Das Ausbildungsprofil umfasst die Sportlehrerausbildung aller Lehrämter, nämlich die der Grund-/ Hauptschulen, Sonderschulen, Realschulen, Gymnasien und der Berufsbildenden Schulen. Das ISS wird kollegial von den beiden Professoren geleitet. Die Leitungsbefugnisse des Sportdirektors werden auf den Hochschulsport und auf die Verwaltung der Liegenschaften des ISS beschränkt. Zu diesen wissenschaftlichen Aufgaben und Serviceleistungen des ISS gibt es eine sog. »Kanzlervereinbarung«, die 1990 nach der Reform des Landeshochschulgesetzes erlischt.

Ebenfalls im Jahre 1976 wird der Lehrstuhl für Sportmedizin vom LSV-SH gebeten, die Leistungssportler des Landes (Kader D) regelmäßig medizinisch zu untersuchen. Dieser Auftrag wird ab 1980 durch den Deutschen Sportbund (DSB) und durch das Nationale Olympische Komitee (NOK) erweitert, so dass der Lehrstuhl zum »Sportmedizinischen Untersuchungszentrum« für Athleten von Nationalmannschaften und für den Olympia-Kader erwählt wurde.

Prof. Dr. phil. habil. Jan-Peters Janssen erhält die dritte Professur

Nach einer achtjährigen Übergangsphase mit Lehrstuhlvertretungen kann die dritte Professur für Sportwissenschaft, nämlich der Lehrstuhl für Sportpsychologie, im Herbst 1980 besetzt werden. Von der Ruhr-Universität Bochum berufen wird der Diplom-Psychologe Prof. Dr. phil. habil. Jan-Peters Janssen (Jahrgang 1937). Auch Prof. Dr. Janssen wird Direktor im ISS. Er wird in die kollegiale Leitung eingebunden. Das ISS besteht nunmehr aus drei gut ausgestatteten Lehrstühlen und aus den Abteilungen der Theorie und Praxis der Sportarten, der Studien zur Unterrichtspraxis und des Hochschulsportes.

In den 80er Jahren: Fast 1300 Studierende am ISS

Die achtziger Jahre sind die Zeiten des Studentenbooms an den deutschen Universitäten. Das Kieler Sportinstitut muss zeitweilig bis zu dreizehnhundert Studierende ausbilden; denn es gibt keinen Numerus clausus für die Lehramtsstudiengänge in Kiel. Am 28. November 1984 stimmt die Philosophische Fakultät dem Antrag des ISS auf Einrichtung eines Magisterstudienganges »Sportwissenschaft« zu. Realisiert wird dieser Studiengang ab dem WS 86/ 87. Im Jahre 1996 wurde dieser Studiengang mit der Bundesrahmenordnung für Magister im Fach Sport in Einklang gebracht. Nach dieser Magisterordnung wurden mehr als einhundert fünfzig qualifizierte Magister ausgebildet.

Im Februar 1987 wird das Fach »Sportwissenschaft« in die Promotionsordnung der Philosophischen Fakultät als Hauptfach integriert. Nachdem auch noch die Hürde des »Latinums« als Zulassungsvoraussetzung für eine sportwissenschaftliche Promotion in der Philosophischen Fakultät beseitigt werden konnte, haben ab 1992 etwa fünfundzwanzig Kandidaten/-innen im Fach Sportwissenschaft promoviert. – Der Lehrstuhl für Sportmedizin hat seit 1976 mehr als sechzig Promotionen in der Medizinischen Fakultät durchgeführt. Ab dem Jahre 1989 ist er zudem berechtigt, auch Dissertanten im Fach Sportwissenschaft in der Philosophischen Fakultät zu promovieren.

1990: Erste Habilitation im Fach Sportwissenschaft an der CAU

Im Jahre 1990 gibt es die historisch erste Habilitation des Faches »Sportwissenschaft« an der CAU. Denn die Philosophische Fakultät erteilt Dr. Wolfgang Schlicht vom Lehrstuhl für Sportpsychologie die »venia legendi« für das Fach Sportwissenschaft, nachdem die eingereichte Schrift mit dem Thema »Sport und Gesundheit« als schriftliche Habilitationsleistung akzeptiert wurde und auch das Kolloquium erfolgreich verlaufen ist.

Dr. Schlichts Habilitationsschrift wurde am 11. Dezember 1992 in Mainz  mit der Carl-Diem-Plakette des DSB ausgezeichnet. PD Dr. Schlicht wird 1991 als Prof. nach Tübingen, später nach Stuttgart berufen.

Bis 2009 folgen sechs weitere Habilitationen aus dem ISS: Dr. Martin Lames (Abtlg. Sportpädagogik, 1997), Dr. Michael Kolb (Abtlg. Sportpädagogik, 1998), Dr. Manfred Wegner (Abtlg. Sportpsychologie, 1998), Dr. Bernd Strauß (Abtlg. Sportpädagogik, 1998), Dr. Andreas Wilhelm (Abtlg. Sportpsychologie, 1999) und Dr. med. Andreas Koch (Abtlg. Sportmedizin,2009). B. Strauß hat sich für das Fach Psychologie, A. Koch für das Fach Innere Medizin/ Sportmedizin und die vier anderen Kandidaten für das Fach Sportwissenschaft habilitiert.

Die Herren Lames, Kolb, Strauß und Wegner folgen auswärtigen Rufen auf sportwissenschaftliche Professuren nach Rostock, Wien, Münster und Kassel. PD Dr. Andreas Koch leitet die »Sektion Maritime Medizin« des Institutes für Experimentelle Medizin der Christian-Albrechts- Universität zu Kiel und ist Abteilungsleiter am »Schifffahrtsmedizinischen Institut der Marine«.

Ohne Habilitation berufen wurden Dr. Willibald Weichert 1977 auf eine Professur für Sportpädagogik an der Universität Hamburg, Dr. Jörg Bielefeld 1978 auf eine Professur für Behindertenpädagogik an der Universität Dortmund und Dr. Klaus Krieger 2010 auf eine Professur für Sportpädagogik an der Universität Hamburg, alle vom Lehrstuhl für Sportpädagogik. Somit darf man feststellen, dass sich das Hochschulfach »Sportwissenschaft« im Laufe von ca. fünfundzwanzig Jahren an der Universität Kiel zu einem vollwertigen akademischen Ausbildungs- und Forschungsfach entfaltet hat, dessen wissenschaftlicher Nachwuchs an den Hochschulen der Bundesrepublik Deutschland geschätzt und gefragt wird.

Verbund Norddeutscher Universitäten evaluiert sechs Merkmale des ISS

Im Dezember 1999 sind Studium, Lehre und Forschung des ISS durch den Verbund Norddeutscher Universitäten evaluiert worden. Im Evaluationsbericht vom Juli 2000 werden sechs Merkmale des ISS hervorgehoben:

  1. hervorragende Sportstätten,
  2. exzellente Wassersportmöglichkeiten,
  3. besondere Qualität der forschungsmethodologischen Ausbildung,
  4. eigenständiges Profil des Magisterstudienganges,
  5. gutes Gleichgewicht in der Ausbildung zwischen Theorie- und Praxislehrveranstaltungen und
  6. im Vergleich zur Professorenzahl relativ hohe Zahl von Promotionen und Habilitationen.

Als Mangel werden die knappen personellen Ressourcen im Mittelbau und bei den Professuren benannt, welche eindeutig unter dem Durchschnitt der bundesdeutschen Sportinstitute liegen.

Im Jahre 1990 wird das ISS nach der Reform des Landeshochschulgesetzes in zwei große Einheiten untergliedert, und zwar in das Institut für Sport und Sportwissenschaften (ISS) und in das Universitätssportzentrum (USZ). Das USZ wird vom Direktor Bodo Schmidt bis ins Jahr 2000 geleitet. Sein Dienstvorgesetzter ist der Kanzler der Universität. Wegen seines großen Engagements im regionalen, nationalen und internationalen Sport wird Sportdirektor Schmidt 1989 durch die schleswig-holsteinische Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur Eva Rühmkorf mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt; 1999 wird der »Direktor des USZ« Bodo Schmidt durch den schleswig-holsteinischen Innenminister Dr. jur. Ekkehart Wienholtz mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.